Gesamtschule Neunkirchen-Seelscheid Logo und Header

Inklusion

Ausgewählte Inhalte unseres Inklusionskonzeptes

Jeder Mensch ist anders, und das ist bei allen gleich.

Der Landtag NRW hat im Oktober 2013 mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz die UN Behindertenrechtskonvention umgesetzt und darin die inklusive Bildung und Erziehung in den allgemeinen Schulen als Regelfall verankert.
Unsere Arbeit beruht auf der Erkenntnis, dass jeder Mensch ohne Unterschied Anspruch auf alle aufgeführten Rechte und Freiheiten hat. Wir bekräftigen, dass alle Menschenrechte und Grundfreiheiten allgemein gültig und unteilbar sind, einander bedingen und miteinander verknüpft sind. Allen Menschen mit und ohne Behinderungen muss der volle Genuss dieser Rechte und Freiheiten ohne Diskriminierung garantiert und Teilhabe ermöglicht werden.
Diese Haltung der Lehrer gegenüber allen Schülern ist die Basis unseres pädagogischen Handelns.
Ein Schwerpunkt unseres pädagogischen Alltages liegt auf der Früherkennung von Problemsituationen. Unsere Schule als Regelschule stellt den zentralen Ort für Prävention dar. Die Übernahme erzieherischer Verantwortung entspricht unserer pädagogischen Professionalität und beinhaltet bestmögliche soziale und schulische Eingliederung von Kindern und Jugendlichen.

Inklusion bedeutet für uns,

  • eine Schule des gemeinsamen Lernens auf der Grundlage eines ganzheitlichen und individuellen Menschenbildes zu sein.
  • das pädagogische Ziel zu verfolgen, es allen Schülern zu ermöglichen, in eine bestmögliche, eigenverantwortliche und ihren individuellen Möglichkeiten entsprechende Berufs- und Zukunftswelt zu starten.
  • dass wir allen Schülern eine wohnortnahe Beschulung ermöglichen und uns um eine Intensivierung der Beziehung zwischen Schule und Gemeinde bemühen.
  • dass Inklusion in der Gesellschaft das Gleiche ist wie Inklusion in Erziehung und Bildung.

Unsere inklusive Arbeit
mit den Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf bedeutet für uns inhaltlich - unter Einbeziehung und in Absprache mit allen Lehrern der allgemeinbildenden Schulen – angelehnt an dem Leitfaden „Gemeinsames Lernen“ vom Rhein-Sieg-Kreis folgende Bausteine:

Baustein 1: Teamarbeit und Kooperation
1.1 Teamarbeit im Kollegium
Lehrkräfte Jede Klasse wird von zwei Lehrkräften (in der Regel eine Lehrerin und ein Lehrer) als Klassenlehrer-Team (= Tutorenteam) in der Sekundarstufe I geführt und begleitet. Dieses Tutorenteam ist für Eltern wie Kinder der erste Ansprechpartner in allen individuellen, schullaufbahn- und klassenbezogenen Fragen. Die Sonder¬pädagogen unterrichten ebenfalls als Fachlehrer in einzelnen Fächern Klassen bzw. Teilgruppen.
Werden Lehrer für Sonderpädagogik als Tutor eingesetzt, dann in einer Klasse mit der Höchstzahl an Förderschülern des jeweiligen Jahrgangs. Jedem Jahrgang muss ein fester Sonderpädagoge, möglichst in Anlehnung der Tutorenfunktion und mitwachsend, zugeteilt sein.
Ihre Haupttätigkeit ist die individuelle Förderung und Unter¬stützung der Schüler mit Förderbedarf. Dies schließt die indirekte Förderung durch Beratung der Fachlehrer, Klassenlehrer, Eltern sowie Schüler mit ein. Um dafür ausreichend zeitliche Ressourcen sicherzustellen, werden für jeden Tag feste Beratungsstunden in das Stundenkontingent integriert. Das hat zur Folge, dass die Sonderpädagogen maximal 1/3 ihres Gesamtstundenkontingents für eigenverantwortlichen Fachunterricht aufwenden können, um weiterhin dem individuellen Förderbedarf der Schüler gerecht zu werden, genauso wie dem Beratungsbedarf der Kollegen.
Jeder Klasse ist ein Sonderpädagoge bzw. eine Sonderpädagogin zugeordnet, die die Tutoren in ihrer Arbeit mit den Schülern unterstützt. Sie geben Tipps zur Umsetzung differenzierter Inhalte, beraten in Bezug auf die Behinderungsformen und Besonderheiten der Förderschüler, sind teilweise als Doppelbesetzung mit in der Klasse, unterstützen bei Konflikten etc. Der Austausch der Kollegen geschieht regelmäßig in unterschiedlichen Zeitfenstern in den jeweiligen Teamstrukturen. Die Sonder¬pädagogen bieten zusätzlich Beratungsstunden für die Kollegen an, in denen sie sich über besondere Schwerpunkte in Ruhe austauschen können. Auch die inhaltlich-fachliche Arbeit soll im Schwerpunkt in Jahrgangsfachteams vorbereitet und begleitet werden.

Teamarbeit braucht:

  • klare Strukturen
  • zeitliche Ressourcen
  • offene Diskussionen und gemeinsame Lösungsversuche
  • offene Kritik und Kommunikation
  • ein entspanntes und gelöstes Klima

Evaluieren, Innovieren und Kooperieren

  • Regelmäßiger Erfahrungsaustausch und Fallbesprechungen im Team
  • Evaluation und Weiterentwicklung des schulinternen „Inklusionskonzeptes“
  • Kontakt zu außerschulischen Fach- und Beratungsdiensten
  • Bei Bedarf: Anleitung von Schulbegleitern / Integrationshelfern

Ein dem Schulprofil entsprechendes inhaltliches Beratungskonzept ist in Bearbeitung und Entwicklung.

Verschiedene Teamstrukturen
Teamstruktur1: Klassenlehrer und Förderlehrer
Teamstruktur 2: Fachlehrer der Klasse und Förderlehrer
Teamstruktur 3: die Förderlehrer der Schule
Teamstruktur 4: die Schulleitung
Teamstruktur 5: das Kollegium Organisationsstruktur der Teamstruktur 5:

  • Installation der Fachkonferenz Inklusion
  • Lehrerkonferenz mindestens einmal im Quartal ausschließlich mit wichtigen Inhalten zum Thema Förderschüler (Besonderheiten im Umgang mit Schüler XY, Einhaltung besonderer Absprachen, Auffälligkeiten, Absprachen und deren Einhaltung, Veränderung von Inhalten und Leistungsniveaus, etc….)
1.2 Außerschulische Kooperationen
Unsere Schule als Lern- und Lebensort bedeutet auch Öffnung von Schule in die Region. Die Kooperationen sind vielfältig und weitgefächert. Schule braucht unterschiedlichste Partner, um ihrem inklusiven Bildungs- und Erziehungsauftrag gerecht werden zu können. Nur durch viele Partner und engen Kontakt zum schulischen Umfeld kann Schule heute für das Lernen einen angemessenen Rahmen und auch die notwendige Verknüpfung mit der gesellschaftlichen Realität bieten.

Kooperation mit Eltern
Eltern können wertvolle Informationen über ihr Kind geben. Der regelmäßige Austausch zwischen Schule und Eltern bewirkt, dass Schwierigkeiten beim Lernen oder Probleme im sozialen Bereich möglichst frühzeitig erkannt werden und Maßnahmen zur Behebung derselben ergriffen werden können. Individuelle Förder- und Forderaspekte können entsprechend berücksichtigt, gemeinsame Ziele geklärt und die passende Vorgehensweise besprochen werden. Der Austausch findet statt über

  • Rückmeldungen z.B. im Mitteilungsheft
  • Teilnahme an Elternabenden
  • Teilnahme an Sprechtagen
  • Individuell zu vereinbarende Sprechzeiten

Kooperation mit der abgebenden Grundschule oder Förderschule
Um die Förderung möglichst sinnvoll an die Förderung in den ersten vier Schuljahren anschließen zu können, ist ein Austausch mit der jeweiligen Grund- oder Förderschule notwendig. Ein Kennenlernen des Kindes und seiner Eltern im Vorfeld der Klasse 5 erleichtert den Einstieg und ermöglicht einen sanften Übergang in die weiterführende Schule. Um unsere Schule näher kennenzulernen, gibt es die Möglichkeit zu diagnostischen Probepraktika. Interessierte Schüler können entweder für einen Tag oder einen mehrwöchigen Zeitraum im Unterricht hospitieren. Unabdingbar hierfür sind eine enge Zusammenarbeit und ein regelmäßiger Austausch aller Beteiligten sowie eine individuelle Zielabsprache für die Hospitationsphase.

Darüber hinaus ist die Kooperation mit Förderschulen und Regelschulen, die im Gemeinsamen Lernen arbeiten, wichtig, um sich über Fördermöglichkeiten und neue Entwicklungen auszutauschen.

Kooperation mit dem schulpsychologischem Dienst, Kinder- und Jugendpsychiatern bzw. Therapeuten

Je nach individuellem Bedarf kann es notwendig sein verstärkt Hilfen und Unterstützung für das Kind zu suchen. (Schul-) Psychologen beraten Lehrer, Eltern und Schüler. Sie unterstützen bei Lern-, Entwicklungs- und Verhaltensproblemen.

Kooperation mit Trägern und Einrichtungen der beruflichen Eingliederung
Im Rahmen der beruflichen Orientierung nehmen alle Schüler am jährlichen Boys‘ und Girls‘ Day ab Klasse 5 teil. Ab Klasse 8 finden Betriebspraktika statt. (Der Themenbereich ist in Bearbeitung.)


Baustein 2: Ganzheitlichkeit

Die Schüler werden in ihrer Ganzheit wahrgenommen, beraten und gefördert. Die schulischen Fortschritte stellen dabei nur einen kleinen Teil dar. Das komplette Umfeld des Kindes und damit alle Entwicklungsbedingen werden beleuchtet. Dabei stehen Ressourcen sowie die Stärkung und Stabilisierung derselben im Vordergrund.
(ist in Bearbeitung)


Baustein 3: Arbeiten am gleichen Gegenstand

Die Schüler sollen weitestgehend im Klassenverband unterrichtet werden und dabei so wenig Ausgrenzung wie möglich erfahren. Die Schüler erhalten Formen der inneren Differenzierung in quantitativer und/ oder qualitativer Weise, dabei orientieren sich die Inhalte am selben Lerngegenstand.
(ist in Bearbeitung)


Baustein 4: Diagnostik und individuelle Förderplanung

Bei der Planung des Unterrichts muss die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Schüler Berücksichtigung finden. Dennoch steht das einzelne Kind mit seinen individuellen Kompetenzen im Mittelpunkt. Wichtig ist daher, die individuellen Lernvoraussetzungen zu diagnostizieren. Fehleranalysen, Beobachtungsverfahren, aber auch Dokumentationen wie Lerntagebücher sollen hierzu eingesetzt werden. Diese wiederum finden Eingang in individuelle Förderpläne. Die Förderpläne gehen über eine reine Beschreibung hinaus. Ausgehend von dem aktuellen Entwicklungsstand des einzelnen Kindes machen sie deutlich, in welchem überschaubaren Zeitrahmen welche Ziele und Maßnahmen zur Entwicklung kognitiver, motorischer und sozialer Kompetenzen führen.

Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf arbeiten entsprechend ihrem individuellen Leistungsvermögen, möglichst am gleichen Thema wie die Gesamtgruppe. An den Schüler angepasste Aufgaben und Ziele ermöglichen Lernfortschritte, die in einer individuellen Leistungsbewertung beschrieben werden.

  • Erheben des Entwicklungsstandes
  • Feststellung des aktuellen Unterstützungsbedarfs und Fortschreiben der individuellen Förderpläne der Kinder
  • Jährliche Überprüfung des sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs und des Förderortes
  • Förderziele
  • Mögliche Formen des Nachteilsausgleichs
  • Pädagogische oder therapeutische Fördermaßnahmen, die in die Wege geleitet werden sollen

Der inklusive Ansatz bedeutet, dass das Tutorenteam einer Klasse und die Fachlehrkräfte mit den Sonderpädagogen Beobachtungen so dokumentieren, dass sie für die qualifizierte Erstellung von Förderplänen aussagekräftig sind. Dazu gibt es Beobachtungsbögen, welche von Tutoren und Fachlehrern bearbeitet und in regelmäßigen Gesprächen mit den Sonderpädagogen ausgewertet werden. Beraten

  • Beratungs- und Förderplangespräche mit Schüler/innen
  • Beratungs- und Förderplangespräche mit Eltern
  • Beratungs- und Förderplangespräche im Team
  • Beratungs- und Förderplangespräche mit Therapeuten und anderen am Erziehungsprozess Beteiligten


Baustein 5: Innere und äußere Differenzierung

Die Schülerschaft der Gesamtschule Neunkirchen-Seelscheid ist in vielerlei Hinsicht heterogen. Mit Heterogenität umzugehen, ist also die alltägliche Herausforderung, der sich jede Lehrkraft stellen muss. Unter der Maßgabe sowohl leistungsschwächere als auch leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler zu fördern und zu fordern, wird bei der Durchführung des Unterrichts Wert auf Binnendifferenzierung gelegt.

5.1 Formen der inneren Differenzierung
Die innere Differenzierung meint alle Differenzierungsformen, die innerhalb einer gemeinsam unterrichteten Klasse oder Lerngruppe vorgenommen werden. Quantitative Differenzierung nach Umfang des Unterrichtsstoffes / nach persönlichem Lern- und Arbeitstempo / nach zeitlichem Umfang, qualitative Differenzierung nach Methoden und Medien / nach Schwierigkeitsgrad / nach Arbeitsanweisung / nach Sozialform.

5.2 Formen der äußeren Differenzierung
Äußere Differenzierung bedingt die Trennung von Klassen / Schülergruppen auf Zeit und Dauer, d.h. die Schüler werden innerhalb der Schule anders als im Klassenverband unterrichtet und gefördert. Auf Dauer angelegte Formen der äußeren Differenzierung:

  • Wahl und Belegung eines Profils ab Klasse 5
  • Wahlpflichtfächer ab Klasse 6 und 8
  • Fachleistungsdifferenzierung im Kurssystem
  • Forder- und Förderkurse in Mathematik, Deutsch, Englisch

Auf Dauer ist es sinnvoll zu überlegen, Schüler mit Förderbedarf ab Klassenstufe 6 das Wahlpflichtfach Arbeitslehre / Hauswirtschaft/ Technik zu empfehlen. Zum einen ist gerade dieses Fach wichtiger Bestandteil im Lehrplan des Förderschwerpunktes Lernen, zum anderen besteht das Fach aus den eigenständigen Lernbereichen Technik und Haushalt. Beide enthalten als integrative Momente die Bestandteile Wirtschaft und Berufswahlvorbereitung.


Baustein 6: Unterrichtsstruktur mit Fokus Heterogenität

(ist in Bearbeitung)


Baustein 7: Kooperatives Lernen

Verschiedene Patensysteme ermöglichen kooperatives Lernen über den Klassenverband und den Jahrgang hinaus.
(Kooperatives Leben im Klassenverband wird zukünftig bearbeitet.)


Baustein 8: Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit ist an unserer Schule durch unsere Schulsozialarbeiterin Frau Wünsche fest etabliert. Sie ist eine unerlässliche Instanz für unsere schulische Arbeit.


Baustein 9: Akzeptanz

Wichtig für den Erfolg eines schuleigenen Inklusionskonzeptes ist die Akzeptanz, welche sich in der täglichen Arbeit der Kollegen widerspiegelt. Dies ist ein fortwährender Prozess, der immer wieder von den Sonderpädagogen der Schule initiiert und dem gesamten Kollegium inhaltlich bearbeitet werden muss.

Die Erarbeitung unseres Inklusionskonzeptes liegt federführend in den Händen unserer Lehrerinnen für Sonderpädagogik. Aufgrund ihrer Professionalität können folgende sonderpädagogischen Schwerpunkte besonders berücksichtigt werden: ES (emotional-soziale Entwicklung), LE (Lernen), KM (körperlich-motorische Entwicklung), GG (geistige Entwicklung).


Fortbildungen

Das Kollegium hat bereits an Fortbildungen zu „Classroommanagement“, „Förderplanung“, „GfK – Gewaltfreie Kommunikation“, „Inklusion“ und „Neue Autorität – ein Haltungs- und Handlungskonzept“ teilgenommen. Weitere Fortbildungen zum inklusiven Lernen sind geplant, um Situationen frühzeitig erkennen zu können und sich weiter zu professionalisieren.